Auf den Spuren des ursprünglichen Tantra

Interview mit Katrin Laux zu ihrer bewegenen Indienreise

Im April folgten Katrin Laux (Gründerin von Sinnesart) und Maria Buchmüller (Leiterin des Seminarzentrums) dem Ruf eines Tantra-Meisters im mittleren Westen Indiens. Was die beiden dort erlebten, ging oft weit über ihre Vorstellungskraft hinaus. Ihre spannenden Geschichten haben sie in einem Reisetagebuch veröffentlicht. Ich habe mit Katrin ein paar Wochen nach ihrer Rückkehr gesprochen, um zu erfahren, wie das Erlebte nachwirkt. Welche Erkenntnisse haben einen nachhaltigen Eindruck bei ihr hinterlassen und wie wird sich das künftig bei Sinnesart bemerkbar machen? Sie hat es mir verraten.

Liebe Katrin, eine spannende Reise liegt hinter dir. Was ist die größte Erkenntnis, die du auf dem Weg gewonnen hast?

Es gab einige große Erkenntnisse, die ich gar nicht vergleichen kann. Zum einen habe ich Sexualität bisher missverstanden und dementsprechend über- und auch unterbewertet. Sie ist vielfältiger und im Grunde erst mit einer spirituellen Komponente wirklich kraftvoll und heilsam. Wohlbemerkt für mich ist das so! Es war eine unglaublich wohltuende Erkenntnis, dass ich Dinge in der tantrischen Praxis wiederfand, die mir schon in der Pubertät, als ich noch Atheistin und Sozialistin war, in Bildern vorschwebten und nach denen ich mich immer gesehnt habe. Es war wie nach Hause kommen.

Eine weitere große Erkenntnis war, dass wesentliche Dinge einfach sind und man dazu nichts „wissen“ muss. Die Herzöffnung, die durch den Meister passierte, können wir uns auch selbst schenken, indem wir uns akzeptieren lernen. Ein anderer Mensch ist nicht dazu da, um meine Erwartungen zu erfüllen. Dies zu leben braucht u.a. Bewusstheit und eine Praxis der Selbstliebe.

Worin unterscheiden sich deiner Meinung nach das ursprüngliche Tantra, so wie du es kennengelernt hast, von dem Tantra, wie es hier in Deutschland/Europa praktiziert wird?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich von hierzulande praktiziertem Tantra wirklich eine Ahnung habe. Hier beschränken sich meine Erfahrungen auf einige Tantramassage-Ausbildungen und ein Tantra-Jahrestraining. Nach allem, was ich wahrnehme, wird hier der Sexualität eine zu große Rolle eingeräumt, vor allem kann man damit sofort starten. Angebrachter wäre daher von Neo-Tantra zu sprechen, zumal das ursprüngliche Tantra – nicht umsonst übrigens – direkt vom Lehrer bzw. Meister zum Schüler weitergegeben wird. Diese Verbindung ist eine bleibende und endet nicht mit dem Abschluss eines Seminarwochenendes. In der tantrischen Lehre, in der wir unterrichtet wurden, müssen erst einige Voraussetzungen in Bezug auf Persönlichkeitsentwicklung erfüllt sein, also davor stehen andere Unterweisungen. Der Weg des Tantra in Indien ist auch viel mehr ein Weg des Herzens.

Welche Auswirkungen werden deine gemachten Erfahrungen auf die Massagen und Veranstaltungen bei Sinnesart haben?

Direkte Auswirkungen sind vielleicht erst mal nur in den von mir geleiteten Seminaren zu spüren, wo ich mir endlich traue, klarer zu sein und Themen der Liebe und Spiritualität direkt einfließen zu lassen. Langfristig gesehen helfen mir meine Erfahrungen unglaublich dabei, als Unternehmerin anders zu agieren. Das beginnt schon ganz pragmatisch damit, dass ich morgens eine Stunde Yoga praktiziere und meditiere, was mich ganz anders in den Tag starten lässt. Ich kann mich kaum noch stressen, habe wesentlich mehr Mut für Entscheidungen und einen klareren Blick. Ich glaube, dass das energetische Feld bei Sinnesart sich ändert, und dass wir uns gegenseitig dazu inspirieren können, ebenfalls zu wachsen und glücklicher zu sein. Das wirkt dann natürlich direkt auf unsere Gäste zurück.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Linda Wawrzinek.